CIGARRO

Die Einsteiger-Serie · Episode 6 · ~4 min

Der erste Schnitt

Guillotine, Punch oder V-Cut — wie der Anschnitt gelingt, ohne dass sich das Deckblatt löst, und was das Werkzeug mit dem Zug macht.


Warum der Schnitt zählt

ModeratorinHeute wird es zum ersten Mal handwerklich. Die Zigarre ist gekauft, mild und in einem kleinen Format, ganz wie besprochen. Und fast hätte ich einfach die Spitze abgebissen.

ExperteDann wäre die Episode hier schon zu Ende. Nein, für diesen Moment gibt es Werkzeug. Aber der Reihe nach. Warum musst du überhaupt schneiden?

ModeratorinGute Frage. Warum eigentlich? Die Zigarre hat doch ein offenes Ende.

ExperteAm Fuss, ja. Dort wird sie später angezündet. Aber der Kopf, das Ende Richtung Mund, ist geschlossen. Du erinnerst dich an die Formate-Episode.

ModeratorinStimmt, der runde, geschlossene Kopf. Und durch einen geschlossenen Kopf kommt kein Rauch.

ExperteDeshalb brauchst du eine Öffnung. Und dieser Anschnitt ist mehr als eine Formalität. Er entscheidet über den Zug.

ModeratorinDer Zug, der Widerstand beim Ziehen. Den hatten wir beim Umblatt. Jetzt redet also auch noch der Schnitt mit.

ExperteEr redet sogar laut mit, denn durch genau diese eine Öffnung muss von nun an jeder Zug. Das Ziel ist darum eine saubere Öffnung am Kopf, ohne dass sich das Deckblatt löst.

ModeratorinDas Deckblatt, die Visitenkarte, die alles umhüllt. Die soll bitte ganz bleiben.

ExperteEben die. Ein sauberer Schnitt, ein unversehrtes Deckblatt. Mehr verlangt die Aufgabe nicht. Und dafür gibt es drei bewährte Werkzeuge: die Guillotine, den Punch und den V-Cut.

ModeratorinDrei Werkzeuge für eine einzige Öffnung. Da bin ich gespannt, worin sie sich unterscheiden.

ExperteVor allem darin, wie sie öffnen. Als Klinge, als Stanze oder als Kerbe. Fangen wir beim Klassiker an.

Die Guillotine

ModeratorinGuillotine. Der Name macht mir leichte Angst.

ExperteDabei ist sie der Klassiker unter den Schneidwerkzeugen. Sie macht einen geraden Schnitt, knapp oberhalb der Schulter.

ModeratorinHalt. Schulter? Zigarren haben Schultern?

ExperteSo nennt man die Stelle, an der die Rundung des Kopfes in den geraden Körper übergeht. Knapp oberhalb dieser Schulter setzt du die Klinge an.

ModeratorinWarum genau dort?

ExperteWeil dort die saubere Öffnung entsteht, ohne dass der Kopf seine Form verliert. Und dann kommt der wichtigste Satz der heutigen Episode: mit einer Bewegung schneiden, nicht drücken.

ModeratorinWas passiert denn, wenn ich drücke?

ExperteDrücken gefährdet den Kopf. Die eine, entschlossene Bewegung ist es, die ihn intakt lässt.

ModeratorinUnd diesen Schnitt mache ich genau einmal. Keine zweite Chance also.

ExperteDarum lohnt sich die kleine Sorgfalt. Ansetzen, kurz sammeln, mit einer Bewegung durchschneiden. Mehr Technik braucht die Guillotine nicht.

Punch und V-Cut

ModeratorinBleiben die anderen beiden. Was macht der Punch?

ExperteDer Punch schneidet nicht, er stanzt. Er stanzt ein rundes Loch in den Kopf und eignet sich damit gut für unterwegs.

ModeratorinUnd auch bei diesem Loch gilt das Ziel vom Anfang?

ExperteUnverändert. Saubere Öffnung, das Deckblatt bleibt ganz. Das gilt für jedes der drei Werkzeuge.

ModeratorinDann zum letzten. Was macht der V-Cut?

ExperteDer öffnet keinen Kreis, sondern einen Keil, eine Kerbe in Form des Buchstabens V. Dieser Keil bündelt den Zug.

ModeratorinBündelt den Zug. Das heisst, der ganze Zug läuft durch diese eine Kerbe zusammen?

ExperteSo kannst du es dir vorstellen. Und Punch und V-Cut haben noch etwas gemeinsam. Beide schonen die Kopfform, bieten aber weniger Zugfläche als die Guillotine.

ModeratorinZugfläche — also die Grösse der Öffnung, durch die ich ziehe.

ExperteEben. Die Guillotine gibt dir die grösste Öffnung. Punch und V-Cut halten dafür die Form des Kopfes besonders gut.

ModeratorinUnd diesen Unterschied spüre ich später tatsächlich?

ExperteBeim Ziehen, ja. Der Anschnitt entscheidet über den Zug, das war der erste Satz dieser Episode. Bei der Wahl des Werkzeugs kommt er wieder ins Spiel.

Welcher Schnitt für dich

ModeratorinDann wähle ich also zwischen grosser Öffnung und geschonter Form. Womit fange ich an?

ExperteFalsch machst du mit keinem der drei etwas, solange die Öffnung sauber ist und das Deckblatt bleibt, wo es hingehört. Die Guillotine ist der Klassiker, der Punch der Handliche für unterwegs, der V-Cut der mit dem gebündelten Zug.

ModeratorinEinmal in Kürze, damit es sitzt. Guillotine: gerader Schnitt, grösste Zugfläche. Punch: rundes Loch, gut für unterwegs. V-Cut: Keil, gebündelter Zug.

ExperteUnd alle drei mit demselben Ziel. Sauber öffnen, Deckblatt schonen.

ModeratorinDann traue ich mich. Klassisch, mit der Guillotine. Eine Bewegung, knapp über der Schulter, nicht drücken.

ExperteDamit sitzt der erste Schnitt — und in der nächsten Episode machen wir Feuer, und zwar so, dass die Zigarre von der ersten Minute an gerade brennt.

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