Die Einsteiger-Serie · Episode 3 · ~5 min
Von Robusto bis Churchill
Parejo oder Figurado, Länge mal Ringmass — wie du Formatangaben liest und warum dieselbe Zigarre zwei Namen tragen kann.
Ein Wort für alles: die Vitola
ModeratorinRobusto, Churchill, Torpedo. Wenn ich Zigarrennamen höre, klingt das für mich wie eine Geheimsprache. Hilf mir da mal raus.
ExperteGern, denn das System dahinter ist einfacher, als die vielen Namen vermuten lassen. Hinter jedem dieser Namen steht ein Format mit definierter Länge und Dicke. In der Fachsprache heisst so ein Format Vitola.
ModeratorinVitola. Also ist Robusto keine Marke, sondern eine Grösse?
ExperteGenau. Robusto sagt dir nichts über den Hersteller, aber sehr viel über Länge und Dicke der Zigarre. Und wenn du zwei Dinge verstehst, liest du jede Formatangabe. Die zwei Grundfamilien und das Ringmass.
ModeratorinDann fangen wir mit den Familien an.
Parejo und Figurado
ExperteAlle Formate gehören zu einer von zwei Familien. Die erste ist der Parejo. Das ist die klassische, gerade Zigarre mit parallelen Flanken, einem runden Kopf und einem offenen Fuss.
ModeratorinKopf und Fuss — welches Ende ist was?
ExperteDer Kopf ist das geschlossene Ende, das später Richtung Mund zeigt. Der Fuss ist das offene Ende, das angezündet wird. Beim Parejo ist der Kopf rund und der Fuss offen. Die grosse Mehrheit aller Zigarren gehört zu dieser Familie.
ModeratorinUnd die zweite Familie?
ExperteDie Figurados. Das sind schlicht alle anderen, also alle Zigarren, die von der geraden Form abweichen. Der Torpedo zum Beispiel läuft am Kopf spitz zu. Wenn die Form durchgehend konisch ist, spricht man von einer Pirámide. Der Belicoso hat eine kurze, runde Spitze. Und der Perfecto verjüngt sich sogar an beiden Enden.
ModeratorinAlso merke ich mir: gerade gleich Parejo, alles Geformte gleich Figurado.
ExperteSo einfach ist es tatsächlich. Torpedo, Pirámide, Belicoso, Perfecto — das sind alles Namen aus derselben zweiten Familie.
ModeratorinUnd im Alltag begegnet mir vor allem die erste.
ExperteRichtig, der gerade Parejo stellt die grosse Mehrheit aller Zigarren.
Länge mal Ringmass
ModeratorinJetzt zu den Zahlen. Auf Kisten steht ja so etwas wie sechs mal zweiundfünfzig. Was lese ich da?
ExperteZwei Angaben, Länge und Ringmass. Die erste Zahl ist die Länge in Zoll. Die zweite ist das Ringmass, und das ist der Durchmesser der Zigarre, gemessen in Vierundsechzigstel Zoll.
ModeratorinVierundsechzigstel Zoll? Wer denkt sich denn so etwas aus?
ExperteSo ist das Mass nun einmal definiert, und es funktioniert. Eine Eselsbrücke hilft: Ringmass fünfzig entspricht knapp zwanzig Millimetern. Sechs mal zweiundfünfzig heisst also sechs Zoll Länge mal Ringmass zweiundfünfzig.
ModeratorinErste Zahl Länge, zweite Zahl Dicke. Das kann ich mir merken.
ExperteUnd hierzulande sind die Masse oft zusätzlich metrisch angegeben. Dann steht die Länge in Zentimetern, und das Ringmass bleibt gleich.
ModeratorinGut. Und was sind die Formate, die mir am häufigsten begegnen werden?
ExperteEin paar Richtwerte. Die Corona ist die klassische Referenz, rund vierzehn Zentimeter lang mit Ringmass zweiundvierzig bis vierundvierzig. Der Robusto ist kurz und kompakt, rund zwölf Komma vier Zentimeter mit Ringmass fünfzig, und heute wohl das meistgerauchte Format überhaupt.
ModeratorinDer Bestseller sozusagen.
ExperteWenn du so willst. Dann der Toro, rund fünfzehn Komma zwei Zentimeter, ebenfalls Ringmass fünfzig. Der Churchill, rund siebzehn Komma acht Zentimeter mit Ringmass siebenundvierzig bis fünfzig, benannt nach Winston Churchill. Und die Panetela, lang und schlank, typischerweise mit Ringmass fünfunddreissig bis neununddreissig.
Was das Format mit dem Geschmack macht
ModeratorinJetzt mal ehrlich. Ist das nicht am Ende reine Geometrie? Schmeckt dieselbe Mischung nicht einfach gleich, egal in welcher Form?
ExperteEben nicht, und das ist der spannende Teil. Das Format prägt den Rauch. Dicke Zigarren ziehen in der Tendenz kühler, und bei ihnen steht die Einlagemischung im Vordergrund.
ModeratorinUnd bei den schlanken?
ExperteBei schlanken Formaten steigt der Anteil des Deckblatts am Aroma. Erinnere dich an die letzte Episode, das Deckblatt schmeckt ja mit. Dieselbe Mischung schmeckt im Panetela-Format deshalb anders als im Toro.
ModeratorinDas heisst, ich kann dieselbe Zigarre in zwei Formaten kaufen und bekomme zwei verschiedene Erlebnisse.
ExperteEben das heisst es.
Zwei Namen für dieselbe Zigarre
ModeratorinEine Sache verwirrt mich noch. Du hast gesagt, Churchill sei ein Format. Aber Churchill klingt doch auch nach einem Produktnamen.
ExperteSehr gute Beobachtung, denn ein und dieselbe Vitola kann tatsächlich zwei Namen tragen. In den kubanischen Fabriken gibt es die Vitola de galera. Das ist der Name des Formats, wie ihn der Roller in der Fabrik kennt. Daneben gibt es die Vitola de salida, den Namen, unter dem die Zigarre verkauft wird.
ModeratorinHast du ein Beispiel?
ExperteDas bekannteste. Das Fabrikformat Julieta Nummer zwei misst siebzehn Komma acht Zentimeter bei Ringmass siebenundvierzig. Bei der Marke Romeo y Julieta erscheint genau dieses Format im Verkauf als Churchill.
ModeratorinEin Format, zwei Namen. Einer für die Fabrik, einer für die Kundschaft.
ExperteGenau. Und wenn dich zwei Zigarren an denselben Massen erinnern, ist gut möglich, dass sie in der Fabrik denselben Namen tragen. In der nächsten Episode schauen wir dann auf die Aussenhaut der Zigarre — auf die Farben des Deckblatts und darauf, was sie verraten und was nicht.