CIGARRO

Theorie

Herstellung: Das Handwerk des Torcedors

Kenner · 2 Min. Lesezeit


Am Ende der langen Kette aus Feld, Scheune und Pilón sitzt ein Mensch an einem hölzernen Arbeitstisch. Der Torcedor — wörtlich «der Dreher» — verwandelt in wenigen Minuten Blätter, an denen jahrelang gearbeitet wurde, in eine Zigarre. Sein Handwerk entscheidet darüber, ob all diese Arbeit aufgeht.

Arbeitsplatz und Werkzeug

Die Ausrüstung ist seit Generationen fast unverändert: ein Rollbrett aus Holz, die Chaveta — das halbmondförmige Messer, mit dem Blätter zugeschnitten werden —, ein Töpfchen geschmacksneutraler Pflanzenleim für den Kopf der Zigarre, eine kleine Guillotine für den Fuss und der Cepo, eine Lehre, an der Länge und Ringmass jeder fertigen Zigarre geprüft werden. Dazu kommen die Holzformen, in denen die Rohlinge gepresst werden. Alles Weitere leisten Fingerspitzen und Erfahrung.

Vom Bunch zur Zigarre

Zuerst entsteht der Wickel, der Bunch: Die Einlageblätter werden gefaltet statt gepresst, damit Luftkanäle durch die ganze Zigarre laufen — sie sind es, die später den Zug ermöglichen. Das Umblatt hält den Bunch zusammen und gibt ihm Form; anschliessend ruhen die Wickel in der Holzform unter Druck. Erst dann folgt der anspruchsvollste Schritt: Das Deckblatt wird gedehnt, mit der Chaveta zugeschnitten und in einer straffen Spirale um den Wickel gerollt, bevor der Kopf gesetzt und verleimt wird. In vielen Fabriken der Neuen Welt teilen sich zwei Spezialisten die Arbeit — einer macht die Wickel, die andere rollt die Deckblätter —, während in Kuba traditionell eine Person die ganze Zigarre fertigt.

Hand oder Maschine

«Totalmente a mano» — vollständig von Hand — ist die kubanische Deklaration für echte Handarbeit und der Massstab, an dem sich Premiumzigarren weltweit messen. Davon zu unterscheiden sind maschinell gefertigte Zigarren, meist mit geschnittenem Kurzfiller, und Zwischenformen, bei denen Maschinen einen Teil der Arbeit übernehmen. Formulierungen wie «hecho a mano» können genau solche Zwischenformen bezeichnen — wirf also einen genauen Blick auf die Deklaration, bevor du zugreifst.

Qualitätskontrolle und Ausbildung

Gute Fabriken prüfen unerbittlich. Vielerorts testet eine Zugmaschine per Saugluft den Widerstand der gepressten Wickel, bevor das Deckblatt aufgelegt wird — zu fest gerollte Zigarren fallen hier durch, nicht erst beim Kunden. Fertige Zigarren werden am Cepo gemessen, gewogen und nach Deckblattfarbe sortiert, damit jede Kiste einheitlich aussieht. Der Torcedor selbst durchläuft eine lange Schule: In Kuba dauert allein die Grundausbildung rund neun Monate, und danach steigen die Roller über Jahre durch Leistungskategorien auf — die anspruchsvollsten Vitolas bleiben den höchsten vorbehalten.


Kapitel-Quiz

Frage 1 von 4

Was prüft die Zugmaschine in der Fabrik?