CIGARRO

Ιστορίες

Der Mythos von den Schenkeln

21 Αυγούστου 2026


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Die Legende ist so hartnäckig wie falsch: Havannas, heisst es, würden auf den Schenkeln kubanischer Frauen gerollt. Kaum ein Zigarrenmythos wird häufiger weitergegeben — und keiner hält einer Nachfrage schlechter stand. Einen Beleg dafür, dass je eine Manufaktur so gearbeitet hätte, hat niemand beigebracht; es gibt ihn nicht.

Woher also stammt das Bild? Sein Kern ist älter als der Kuba-Tourismus und liegt in der Literatur: Prosper Mérimées Novelle «Carmen» (1845) und Bizets gleichnamige Oper (1875) machten die Cigarrera der Königlichen Tabakfabrik von Sevilla zur Verführerin der Weltbühne — die Zigarrenrollerin wurde zur erotischen Figur, lange bevor jemand nach Havanna flog. Von Sevilla wanderte das Motiv mit Reiseberichten und später mit touristischem Marketing in die Karibik und verdichtete sich dort zur Behauptung, auf Kuba werde tatsächlich auf Haut gerollt. Die Legende geht also auf eine Opernbühne zurück, nicht auf eine Fabrik.

Die Wirklichkeit ist Handwerk, kein Schauspiel. Eine Zigarre entsteht auf einem hölzernen Rollbrett: Der Torcedor — oder die Torcedora, denn gerollt haben immer auch Frauen — faltet die Einlage zu einem Wickel, damit Luftkanäle den Zug ermöglichen, gibt ihm mit dem Umblatt Halt, presst ihn in Holzformen und legt zuletzt das gedehnte Deckblatt in einer straffen Spirale an, zugeschnitten mit der halbmondförmigen Chaveta. Wie diese Arbeit im Detail aussieht, beschreibt der Artikel über das Handwerk des Torcedors.

Dass sich der Mythos trotzdem hält, hat einen einfachen Grund: Er verkauft sich besser als die Wahrheit. Dabei ist die Wahrheit die eindrücklichere Geschichte — Jahre der Ausbildung, ein Messer, zwei Hände und die Erfahrung, aus fermentierten Blättern ein präzises Stück Handwerk zu formen. Mehr braucht es nicht. Und weniger genügt nicht.