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Mark Twain und der Himmel ohne Zigarren
«Wenn im Himmel nicht geraucht werden darf, gehe ich nicht hin.» Kaum ein Satz wird häufiger zitiert, wenn Zigarrenfreunde sich ihrer Leidenschaft versichern — und kaum einer steht auf wackligeren Füssen. Die Rechercheure des Zitatenprojekts Quote Investigator haben die Spur verfolgt und in Mark Twains Werken, Briefen und verbürgten Aussagen keinen Beleg gefunden. Gesichert ist lediglich eine verwandte Stelle aus seinen Notizbüchern — sie handelt allerdings vom Fluchen im Himmel, nicht vom Rauchen. Für die positive Variante — sinngemäss: «Wenn im Himmel geraucht werden darf, will ich dorthin» — spricht immerhin eine Familienerinnerung aus dem Jahr 1929, die Quote Investigator dokumentiert hat; als verbürgtes Twain-Zitat gilt sie dennoch nicht.
Dass die Welt den Satz trotzdem glaubt, liegt am Absender. Twain war ein monumentaler Raucher: Nach eigener Darstellung begann er als Kind und kam zeitweise auf dreihundert Zigarren im Monat — wobei bei ihm die Übertreibung zum Handwerk gehörte und solche Zahlen mehr über seinen Witz verraten als über seine Buchhaltung. Sie sind Überlieferung aus seinem eigenen Mund, keine geprüfte Statistik.
Verbürgt ist dagegen seine Vorliebe für billige, kräftige Zigarren. In seinem Essay «Concerning Tobacco» spottete Twain über den Etikettenglauben der feinen Welt: Kaum jemand könne eine Zigarre am Geschmack einer Marke zuordnen — man glaube schlicht, was auf der Kiste stehe. Teure Habanos liess er links liegen und erzählte vergnügt von Gästen, die vor seinen geliebten Günstigmarken kapitulierten, sobald sie wussten, was sie da rauchten.
Vielleicht ist es also gerecht: Ein Mann, der die Wahrheit zeitlebens für verbesserungswürdig hielt, bekommt posthum Sätze geschenkt, die er nie gesagt hat. Sie passen bloss zu gut zu ihm.