CIGARRO

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Groucho Marx: Die Zigarre als Pointe

25. August 2026


Brille, Schnurrbart, Zigarre: Die Karikatur von Groucho Marx besteht aus drei Strichen, und einer davon glimmt. Auf der Bühne und im Film war die Zigarre für ihn vor allem Werkzeug. Komiker seiner Generation schätzten sie als Taktgeber — ein Zug kauft Zeit, überbrückt einen Hänger und setzt die Pause genau dorthin, wo die Pointe sie braucht. Timing war Grouchos Kapital, und die Zigarre war sein Metronom.

Zu seinen Markenzeichen gehört auch ein Zitat, das jeder kennt. Eine Kandidatin seiner Quizshow «You Bet Your Life» habe erklärt, sie habe so viele Kinder, weil sie ihren Mann eben liebe — worauf Groucho geantwortet haben soll: «Ich liebe meine Zigarre auch, aber ich nehme sie ab und zu aus dem Mund.» Die Anekdote kursiert seit Jahrzehnten in Zeitschriften und Zitatensammlungen. Nur: Sie ist nach allem, was sich prüfen lässt, nie passiert. Groucho selbst dementierte sie 1972 im Magazin Esquire trocken — er habe gerade 25 Dollar vom Reader’s Digest bekommen, «für etwas, das ich nie gesagt habe». Dazu passt die Produktionsgeschichte: Die Show wurde aufgezeichnet und geschnitten, und ein solcher Satz hätte die Sittenwächter des amerikanischen Fernsehens der Fünfzigerjahre nie passiert.

Verbürgt ist stattdessen eine harmlosere Szene aus Mitte der Fünfzigerjahre: Einer Kandidatin aus einer Familie mit siebzehn Kindern, die erklärte, ihr Vater liebe Kinder eben, antwortete Groucho: «Ich mag Pancakes, aber ich habe keine Schränke voll davon.» Die Mechanik der Pointe ist dieselbe — nur das Requisit fehlt.

Dass ihm die Nachwelt trotzdem die schärfere Version zuschreibt, hätte ihn vermutlich doppelt gewurmt: um die Pointe, die er gern erfunden hätte, und um das Honorar, das andere damit verdienten.